Epidemiologische Projekte & Forschung

Aufgabe des Landeskrebsregisters ist neben der Sicherstellung der bestmöglichen Versorgungsqualität, die Daten epidemiologisch auszuwerten und regelmäßig über das Auftreten von Krebserkrankungen, Trends und Prognosen zu berichten sowie die Daten für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen, zu publizieren und für externe Forschungsprojekte bereitzustellen.

Vollzählig erfasst und damit für epidemiologische Auswertungen nutzbar, liegen Daten zu neu diagnostizierten Krebserkrankungen bereits seit Anfang der 90er Jahre für den Regierungsbezirk Münster vor. Seit Juli 2005 wurden Krebsneuerkrankungen für das gesamte Land Nordrhein-Westfalen erfasst und seit April 2016 werden durch das LKR NRW auch Therapie- und Verlaufsdaten dokumentiert.

Gesundheitsberichterstattung

Das LKR veröffentlicht regelmäßig Berichte zum Krebsgeschehen in Nordrhein-Westfalen. Ein interaktiver Krebsbericht bietet umfassende Informationen zur Epidemiologie von Krebserkrankungen. Darüber hinaus werden Faktenblätter zu verschiedenen Krebsarten einzeln und zusammengefasst als Jahresbericht im pdf-Format angeboten. Über eine Interaktive Datenbankabfrage (Ida) ist es möglich eigene Abfragen zur Inzidenz und Mortalität von Krebserkrankungen durchzuführen. Die Daten des LKR NRW fließen außerdem in die nationale und internationale Krebsberichterstattung ein.

Das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) ist eine Einrichtung des Robert Koch-Instituts in Berlin. Das ZfKD sammelt die auf Landesebene erhobenen Daten zu Krebsneuerkrankungen und führt jährliche Inzidenzschätzungen für Deutschland durch. Gemeinsam mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID) veröffentlicht das ZfKD alle zwei Jahre den Bericht „Krebs in Deutschland“ zu Häufigkeiten und Entwicklungen von Krebserkrankungen in Deutschland. Die Daten sind über eine interaktive Datenbankabfrage auch auf der Webseite des ZfKD abrufbar.

Die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) ist ein Zusammenschluss der bevölkerungsbezogenen Krebsregister der Länder und des ZfKD. Aufgabe dieser Gesellschaft ist es, trotz unterschiedlicher landesgesetzlicher Regelungen bundesweit eine weit gehende methodische Einheitlichkeit durch inhaltliche Standards zu erlangen, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der Krebsregister zu gewährleisten. Der GEKID – Atlas ist ein webbasiertes Instrument zu Darstellung der Krebsinzidenz und –mortalität auf der Ebene der Bundesländer.

Das European Cancer Information System (ECIS) ist eine interaktive webbasierte Plattform, die europäische Statistiken und Informationen zu Krebserkrankungen bereitstellt. Das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission betreibt die Plattform in enger Zusammenarbeit mit Krebsregistern der Länder und deren Zusammenschluss, dem European Network of Cancer Registries (ENCR).

Das Global Cancer Observatory (GCO) ist eine interaktive webbasierte Plattform, die globale Statistiken zu Krebserkrankungen bereitstellt. Das GCO wird durch die International Agency for Research on Cancer (IARC) betrieben, bei der es sich um eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen handelt.

Epidemiologische Projekte & Forschung

Das LKR NRW wertet die Daten zu Krebserkrankungen wissenschaftlich aus und ist im Rahmen von Kooperationsprojekten an vielen Studien beteiligt:

Ziel des Projektes ist es, die Krebsinzidenz, Mortalität und Überlebensraten bei Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion zu erforschen und Unterschiede zu den Raten der Bevölkerung der Zielregion (Regierungsbezirk Münster) zu untersuchen. Die Ergebnisse können helfen, die Gesundheitsversorgung von Migranten zu verbessern. Die Aussiedler stellen hier eine besondere Gruppe von Migranten dar, da hier in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen migrierten.

Projektleitung: PD Dr. Volker Winkler, Prof. Dr. Heiko Becher, Institut für Public Health, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg

Das Ziel des Projektes ist es, eine detaillierte Übersicht über regionale Unterschiede im Krebsüberleben in Deutschland zu geben, einschließlich einer Analyse von regionalen Unterschieden in der Krebsversorgung als mögliche Erklärung für regionale Überlebensunterschiede. Diese Erkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung zur Planung gesundheitspolitischer Interventionen, um die Krebsversorgung und damit das Überleben in Regionen mit derzeit schlechterem Überleben zu verbessern.

Projektleitung: Dr. Lina Jansen, Deutsches Krebsforschungszentrum, Abt. Klinische Epidemiologie und Alternsforschung, Heidelberg

Ziel der Studie ist es, die langfristigen Folgen einer Krebserkrankung und ihrer Behandlung besser zu verstehen, Ansätze zur Prävention langfristiger gesundheitlicher Einschränkungen zu entwickeln und die Versorgung und Gesundheit von Langzeitüberlebenden zu verbessern.

Projektleitung: PD Dr. Volker Arndt, Prof. Dr. Hermann Brenner, Deutsches Krebsforschungszentrum,
Abt. Klinische Epidemiologie und Alternsforschung, Heidelberg

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den Einfluss des deutschen Mammographie-Screening-Programms auf die Brustkrebsmortalität mit Hilfe mehrerer, sich gegenseitig ergänzender und eng miteinander verzahnter epidemiologischer Beobachtungsstudien zuverlässig zu analysieren.

Projektleitung: Dr. Heike Minnerup, Prof. Dr. Hans-Werner Hense, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster