Bochum, Juni 2026 – Das Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen war bei der gemeinsamen Jahrestagung des Deutschen Krebsregister e. V. (DKR e. V.) und der Plattform § 65c vertreten, die vom 1. bis 3. Juni 2026 am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg stattfand. Rund 150 Fachleute aus den klinischen und epidemiologischen Krebsregistern Deutschlands sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und Politik nahmen an der Veranstaltung teil.
Im Mittelpunkt der Tagung standen aktuelle Entwicklungen in der Krebsregistrierung, innovative Ansätze zur Datennutzung und Fragen zur zukünftigen Ausrichtung der Krebsregisterlandschaft in Deutschland. Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Hermann Brenner vom DKFZ unter dem Titel „Die Darmkrebs-Epidemie überwinden – Beiträge der Krebsregister“. Dabei wurde die zentrale Rolle der Krebsregister für Prävention, Früherkennung und Versorgungsforschung hervorgehoben.
Weitere Schwerpunkte der Tagung waren neue Ansätze zur bundesweiten Zusammenarbeit der Krebsregister. So stellte Dr. Mike Klora vom Krebsregister Niedersachsen den dezentralen Rechenansatz für gemeinsame Analysen der klinischen Krebsregister vor. Mit dem Projekt AI-CARE wurde zudem der Aufbau einer zentralen Antrags- und Freigabeplattform für Krebsregisterdaten präsentiert, die künftig die Beantragung von Daten aus den Landeskrebsregistern vereinfachen und harmonisieren soll.
Auch der Einsatz moderner Methoden der künstlichen Intelligenz spielte eine wichtige Rolle. Dr. Markus Sauerberg vom Hamburgischen Krebsregister stellte eine NLP-gestützte Datenverarbeitungspipeline zur Harmonisierung von Informationen zu systemischen Krebstherapien vor. Internationale Perspektiven brachte Prof. Dr. Sabine Siesling von der University of Twente und dem Niederländischen Krebsregister ein. In ihrem Impulsvortrag berichtete sie über Erkenntnisse des niederländischen Krebsregisters für Prävention, Früherkennung und die Verbesserung der onkologischen Versorgung.
Das Landeskrebsregister NRW war mit zwei Beiträgen im Tagungsprogramm vertreten. Janina Kempchen präsentierte die Ergebnisse ihrer Untersuchung „Räumliche und zeitliche Trends der Inzidenz des malignen Mesothelioms in Deutschland, 2009–2023“. Die Analyse beleuchtet die Entwicklung dieser seltenen, überwiegend durch frühere Asbestexposition verursachten Krebserkrankung und liefert wichtige Erkenntnisse für die epidemiologische Krebsüberwachung in Deutschland.
Prof. Dr. Stang berichtete von dem Versuch des Aufbaus einer attraktiveren Qualitätskontrolle der Versorgung krebskranker Menschen in Nordrhein-Westfalen. Hierbei werden die 2-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeiten in Kreisen und kreisfreien Städten bei verschiedenen Krebserkrankungen ermittelt und anschließend die Qualitätsindikatoren berechnet.
„Die Jahrestagung bietet eine wertvolle Plattform für den fachlichen Austausch zwischen den Krebsregistern und der Wissenschaft. Die vorgestellten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie Krebsregister durch hochwertige Datenanalysen zur Verbesserung von Prävention, Versorgung und Forschung beitragen können“, betonten die Kolleginnen und Kollegen des LKR NRW.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Krebsregistrierung. Dabei diskutierten die Teilnehmenden über zukünftige Herausforderungen, Entwicklungsperspektiven und die weitere Stärkung der Krebsregistrierung als Grundlage einer datenbasierten Gesundheitsversorgung. Informationen zum DKR finden Sie hier.
